Donnerstag, 30.03.2017
10.03.2017
   
Abscheider
Abscheidertechnik

Wer gut plant, versenkt zwar viel Material im Boden, aber nicht viel Geld.

Graben mit Weitsicht

An Tankstellen und Waschbetrieben werden hohe Anforderungen an die Abwasserbehandlung gestellt. Eine weitsichtige Planung vermeidet hohe Folgekosten. // Mit Marktübersicht der Abscheidersysteme verschiedener Hersteller

Kraftstoffe und Mineralöle gelten als wassergefährdend und dürfen nicht ohne Vorbehandlung in die Kanalisation gelangen. Überall, wo Mineralölprodukte mit Wasser in Kontakt kommen und vermischt werden können, sind daher ­entsprechende Abscheideranlagen vorzuhalten. An Tankstellen sind sie nicht nur zur Abwasser­behandlung vorgesehen, sondern auch als Rückhalteeinrichtung im Falle von Leckagen.

An Waschanlagen liegt die Problematik hingegen an den vor allem bei Einsatz von Hochdruck fein zerstäubten Ölresten, die am Fahrzeug haften. Da diese Ölpartikel nicht genügend Auftrieb im Wasser erzeugen, müssen sie über eine Koaleszenzeinheit im Abscheider geführt werden. Dort sammeln und vereinen sie sich zu größeren Öltropfen, die dann zur Oberfläche aufsteigen. Schmutzpartikel hingegen sinken ab und sammeln sich im Schlammfang.

Dieses Abscheiderprinzip klingt einfach, hat aber seine Tücken. Neben einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien und Bauweisen muss sich der Betreiber auch mit gesetzlichen Vorschriften auseinandersetzen. Aus der Unsicherheit, alles richtig zu machen, wird die Planung und Errichtung einer neuen Abscheideran­lage deshalb gern einem Generalunternehmer überlassen.

Da hier aber wirtschaftliche Interessen, sprich niedrige Investitionen, häufig im Vordergrund stehen, kann es für den Betreiber langfristig teuer werden, wenn die Wartungs- und Folgekosten überhandnehmen. Am häufigsten treten Undichtigkeiten, mangelhafte Beschichtung, Mängel bei der Überhöhung beziehungsweise Warnanlage sowie beim Koaleszenzmaterial auf. Spätestens bei der fünfjährigen Generalinspektion führen diese Mängel zu Sanierungsarbeiten und Betriebsstillstand mit entsprechenden Kosten und wirtschaftlichen Einbußen.

Außerdem können die früher üblichen Betonbecken insbesondere von den aggressiven Biodiesel- und E10-Resten angegriffen werden, weshalb die Innenwände heute beschichtet sind. Beschädigte Beschichtungen, etwa durch Abstoßungen, Blasenbildung oder gar Ablösungen, bedürfen jedoch einer kostspieligen Sanierung. Eine Auskleidung der Becken mit einem kraftschlüssig verbundenen Inliner kann hier eine Alternative sein. Sie ist zwar zunächst teurer als eine Beschichtung, rechnet sich aber, wenn man die ­Sanierungskosten von circa 5.000 Euro plus Nutzungsausfall durch Betriebsstillstand gegenüberstellt.

Solche Probleme kennen Kunststoffbecken nicht. Aus schlag- und bruchfestem Polyethylen werden sie aus einem Stück gefertigt und wo keine Nähte sind, kann auch nichts undicht werden. Außerdem sind sie beständig gegen aggressive Stoffe im Abwasser. Probleme kann es bei der Befahrbarkeit geben, hier kann je nach Einbautiefe der Einbau einer Last verteilenden Betonplatte notwendig werden.

Gesetzesdschungel

Wichtig für einen langjährigen problemlosen Betrieb ist, neben dem Material der Abscheider, die Bemessung der richtigen Größe. Die Berechnung der sogenannten Nenngröße ist über die Norm DIN 1999-100 klar geregelt. Sie beinhaltet den maximal möglichen Anfall von Schmutz- und Regenwasser. Seit 2009 wurde durch die Norm DIN 1999-101 die Berechnung bei Anteilen von Biodiesel um den sogenannten FAME-Faktor erweitert (Fatty Acid Methyl Esther). Dieser berücksichtigt das chemische und Abscheidever­halten des Biodiesel und führt zu einem größeren Abscheidervolumen.

Nach einer Überarbeitung der DIN 1999-100 Ende 2016 sind bei der Bemessung neben Biodieselanteilen auch Leichtflüssigkeiten mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent Ethanol sowie Schlagregen bei überdachten Flächen zu berücksichtigen. Neu ist auch, dass die erforderliche Überhöhung in Bezug auf die örtliche Rückstauebene einzuhalten ist. Eine seriöse und vorausschauende Beratung, wie sie die Hersteller anbieten, ist ratsam und langfristig bares Geld wert.

(Autor: Dieter Väthröder; Der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 3/2017.)

 

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